Weltweit zu hoher Zuckerkonsum: Schäden für die Zahngesundheit

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  • Artikel: 25.08.2017

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Weltweit konsumieren die Menschen zu viel Zucker. Das wirkt sich negativ auf ihre Zahngesundheit aus und verursacht hohe Kosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Biotechnology Research and Information Network AG (BRAIN AG). Um den hohen Zuckerkonsum zu reduzieren, seien Aufklärungskampagnen und ernährungspolitische Maßnahmen wichtig, betonen die Forsche

Für ihre Untersuchung wertete das Team um Toni Meier vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU Daten zum Zuckerverbrauch in 168 Ländern im Jahr 2010 aus. Gleichzeitig erhoben sie repräsentative Daten zum Vorkommen von Karies, Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) und Zahnverlust sowie zu den entsprechenden Behandlungskosten. Daraus errechneten sie den Anteil der Gesamtkosten durch übermäßigen Zuckerkonsum. In ihre Analysen schlossen sie auch versteckte Zucker ein, die in vielen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind: etwa in Getränken, Speiseeis,Tiefkühlkost oder Backwaren.

Sie stellten fest, dass die Menschen weltweit zu viel Zucker konsumieren. Das wirkt sich negativ auf die Zahngesundheit und die Kosten für Zahnbehandlungen aus. So liegen die Zahnbehandlungskosten weltweit bei etwa 128 Milliarden Euro pro Jahr, in Deutschland bei 17,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit finanziert wurde, ist jetzt in der Fachzeitschrift „International Journal of Dental Research“ erschienen.

Deutsche verzehren 90 bis 110 Gramm Zucker pro Tag

„Die Daten zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Zucker und dem Vorkommen von Karies, Parodontitis und als Folge Zahnverlust“, erläutert Toni Meier, Erstautor der Studie. „Pro Mehrverzehr von 25 Gramm Zucker pro Person und Tag – was ungefähr acht Zuckerwürfeln oder einem Glas gesüßter Limonade entspricht – steigen die Zahnbehandlungskosten in Ländern mit hohen Einkommen im Durchschnitt um 75 Euro pro Person und Jahr an.“

In Deutschland konsumieren die Menschen durchschnittlich zwischen 90 und 110 Gramm Zucker täglich. Die Zahnbehandlungskosten liegen jährlich bei 210 Euro pro Person. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Behandlungskosten pro Person und Jahr. Zu diesen gehören auch die Schweiz (300 Euro), Dänemark (178 Euro) und die USA (138 Euro bzw. 185 US-Dollar).

Am häufigsten waren zuckerbedingte Zahnerkrankungen in Guatemala, Mauretanien und Mexiko zu beobachten. „Schwellenländer wie Indien, Brasilien und Mexiko, aber auch Pakistan und Ägypten könnten Kostenbelastungen im Gesundheitssystem vermeiden, wenn sie das Thema frühzeitig in der Gesundheits- und Ernährungspolitik verankern“, betont Gabriele Stangl, Koautorin der Studie. Dabei könnten Aufklärungskampagnen und Sondersteuern für hochkalorische Lebensmittel zum Einsatz kommen. In Mexiko etwa gibt es seit 2014 eine Zuckersteuer. Schon nach einem Jahr ging die konsumierte Menge an zuckerhaltigen Getränken um fünf Prozent zurück, im zweiten Jahr sogar um zehn Prozent.

„Würde die Zielvorgabe der Weltgesundheitsorganisation von 50 Gramm Zucker pro Person und Tag erreicht, ließen sich in Deutschland 150 Euro Behandlungskosten pro Person einsparen“, sagt Meier. Allerdings werde es immer schwieriger, sich zuckerarm zu ernähren, weil fast alle verarbeiteten Produkte im Supermarkt große Mengen an zugesetztem Zucker enthalten.

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