Was Beipackzettel verständlicher machen könnte

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  • Artikel: 19.10.2018

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Patienten wird geraten, vor der Einnahme eines Medikaments den Beipackzettel zu lesen. Dieser enthält Informationen über die richtige Einnahme und über mögliche Nebenwirkungen. Allerdings sind die Informationen über Nebenwirkungen oft missverständlich und für die Patienten nicht zu verstehen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universität Hamburg. Ein kleiner Zusatz könnte jedoch zu einem deutlich besseren Verständnis beitragen. Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „PLoS ONE“ erschienen.

In ihrer Onlinestudie, an der 397 medizinische Laien teilnahmen, verglichen die Forscher um Erstautorin Viktoria Mühlbauer von der Universität Hamburg einen zur Zeit verwendeten Standardbeipackzettel mit drei alternativen Versionen. Diese enthielten weitere Informationen, die den Beipackzettel verständlicher machen sollten. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob Beipackzettel mit ergänzenden Informationen das Verständnis verbessern und Fehlinterpretationen verringern. Alle Beipackzettel listeten dabei die gleichen vier möglichen Nebenwirkungen auf. Die drei alternative Versionen erwähnten zusätzlich, wie häufig die Symptome mit und ohne Medikament vorkommen und erklärten, welcher ursächliche Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Symptome und der Medikamenteneinnahme besteht. So erwähnten die Beipackzettel zum Beispiel, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel bei der Einnahme des Medikaments bei 16 von 100 Personen auftritt, ohne das Medikament jedoch auch bei 13 von 100 Personen. Der Standardbeipackzettel stellte dagegen nur Informationen zur Häufigkeit der Nebenwirkungen bei Einnahme des Medikaments dar.

Beipackzettel mit zusätzlichen Informationen deutlich verständlicher

Zu Missverständnissen beim Lesen des Beipackzettels kommt es vor allem, weil vergleichende Angaben dazu fehlen, wie häufig unerwünschte Symptome mit und ohne die Einnahme des Arzneimittels sind. Solche vergleichenden Angaben finden sich derzeit weder auf Beipackzetteln in Deutschland noch in anderen europäischen Ländern. „Den wenigsten Menschen ist bekannt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den als Nebenwirkungen gelisteten Symptomen und der Arzneimitteleinnahme bestehen muss“, sagt Mühlbauer. „Eine frühere Studie zeigt, dass selbst Ärzte und Apotheker irrtümlicherweise denken, dass die gelisteten Nebenwirkungen in der genannten Häufigkeit durch das jeweilige Arzneimittel verursacht werden.“

Die Auswertung der Onlinestudie zeigte: Diejenigen, die einen der alternativen Beipackzettel gelesen hatten, konnten Fragen zur kausalen Häufigkeit besser beantworten als Probanden, die den Standardbeipackzettel gelesen hatten. Von ihnen konnten nur zwei bis drei Prozent Fragen zur ursächlichen Häufigkeit der Nebenwirkungen korrekt beantworten, bei den alternativen Beipackzetteln waren es dagegen bis zu 82 Prozent. Die alternativen Beipackzettel wurden also besser verstanden und führten zu weniger Fehlinterpretationen.

„Das nach wie vor Informationsformate in unserem Gesundheitssystem genutzt werden, die Patienten und praktizierende Ärzte verwirren, ist ein Gesamtproblem, welches die Patienten- und Arzneimittelsicherheit gefährdet“, sagt Seniorautorin Odette Wegwarth, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Mittlerweile gebe es eine fundierte Studienlage dazu, welche Informationen den Nutzen und möglichen Schaden medizinischer Maßnahmen für Patienten und Ärzte verständlich machen und welche nicht. „Was wir brauchen, um diese Erkenntnisse in der Realität umzusetzen, ist der Wille und die Anstrengung aller Beteiligten im Gesundheitswesen“, betont Wegwarth.

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