Übergewicht einfach abschmelzen lassen

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  • Artikel: 06.01.2017

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Ein Forscherteam von der Universität Bonn hat nachgewiesen, dass Übergewicht reduziert werden kann, wenn ungünstige weiße Fettzellen in energieverzehrende braune Fettzellen umgewandelt werden. Dies könnte eine Möglichkeit sein, um zukünftig Übergewicht und Adipositas effektiv zu behandeln. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „Cell Reports“.

Die Wissenschaftler um Alexander Pfeifer von der Universität Bonn erforschen seit Jahren, wie es gelingen könnte, überflüssige Pfunde durch neue Wirkstoffe „abschmelzen“ zu lassen. Dies könnte auch die ungünstigen Folgen von Übergewicht verhindern, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Gelenkprobleme.

„In Untersuchungen an Mäusen haben wir verschiedene Ansatzpunkte gefunden, lästige weiße Fettzellen in erwünschte braune Fettzellen umzuwandeln“, berichtet Pfeifer. Denn die braunen Fettzellen besitzen extrem viele Mitochondrien – und diese „Kraftwerke der Zellen“ verbrennen weißes Fett. Steigt die Zahl der braunen Fettzellen, verlieren die Mäuse deutlich an Gewicht.

Bei dieser Umwandlung spielt der Signalweg eines Botenstoffs namens cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) eine wichtige Rolle. „Die erwünschten braunen Fettzellen sind auf cGMP angewiesen“, erläutert Pfeifer. Die Forscher wiesen an Mäusen nach, dass sich mit bestimmten Wirkstoffen, etwa einem Medikament gegen Lungenhochdruck, die Zahl der weißen Fettzellen zugunsten der braunen Zellen verringern lässt. Dadurch wird die Fettverbrennung deutlich erhöht.

Vor allem Bauchfett problematisch

In ihrer aktuellen Studie fanden Pfeifer und sein Team nun heraus, warum Entzündungsreaktionen, die bei Übergewicht häufig auftreten, eine solche Umwandlung der Fettzellen blockieren. Sie verabreichten Mäusen eine besonders kalorienreiche Diät und untersuchten anschließend die Veränderungen im Fettgewebe der Tiere. Dabei beobachteten sie, dass es im Unterhautfett der übergewichtigen Mäuse kaum zu Entzündungen kam und der cGMP-Signalweg weitgehend intakt blieb. Allerdings führte die Gewichtszunahme beim tiefer sitzenden Bauchfett zu ausgebreiteten Entzündungsprozessen. Zudem kam der cGMP-Signalweg weitgehend zum Erliegen. Dies ist besonders problematisch, weil das Bauchfett im Vergleich zum Unterhautfett sowieso als viel gefährlicher eingestuft wird – so kann es zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.

Daher interessierte die Bonner Forscher auch, ob sich die Blockade des cGMP-Signalwegs wieder lösen lässt. Dazu untersuchte Abhishek Sanyal aus dem Team von Alexander Pfeifer, wie Entzündungen den cGMP-Signalweg hemmen. „Der Tumornekrosefaktor alpha (TNFalpha) spielt hier eine wichtige Rolle“, berichtet Sanyal. „Der Entzündungsfaktor TNFalpha unterdrückt den cGMP-Signalweg und verhindert damit, dass sich weiße in braune Fettzellen umwandeln lassen.“ In einer Untersuchung mit menschlichem Unterhaut- und Bauchfettproben konnten die Wissenschaftler zusammen mit dem Universitätsklinikum Leipzig und dem Karolinska-Institut Stockholm zudem nachweisen, dass die Erkenntnisse nicht nur für Nagetiere, sondern auch für den menschlichen Organismus gelten.

Allerdings sind Anwendungen für die Behandlung von Adipositas beim Menschen im Moment noch Zukunftsmusik. Die Ergebnisse zeigen jedoch, in welche Richtung die zukünftige Forschung gehen könnte. „Offenbar könnte ein möglicher Ansatzpunkt bei der Bekämpfung der Adipositas sein, neben der Verabreichung von cGMP-stimulierenden Wirkstoffen gleichzeitig die Entzündungsreaktionen zu hemmen“, so Pfeifer.

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