Stottern: Überaktivität im Gehirn spielt eine Rolle

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  • Artikel: 22.12.2017

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Etwa ein Prozent der Erwachsenen und fünf Prozent der Kinder in Deutschland stottern: Ihnen gelingt es nicht, flüssig zu sprechen. Stattdessen wiederholen sie immer wieder den Anfang eines Wortes oder bleiben mitten im Wort an einzelnen Lauten hängen. Über die Ursachen des Stotterns ist bisher wenig bekannt. Nun hat ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig und der Universitätsmedizin Göttingen herausgefunden, dass ein überaktives Netzwerk im vorderen Bereich des Gehirns eine wichtige Rolle beim Stottern spielen könnte. Ihre Ergebnisse publizierten die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift „Brain“.

Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass beim Stottern ein Ungleichgewicht zwischen der Aktivität beider Hirnhälften besteht. So ist eine Region im linken Stirnhirn zu schwach aktiviert, während die entsprechende Region in der rechten Hirnhälfte stark aktiviert ist. Allerdings war bisher unklar, wie diese veränderte Hirnaktivität zustande kommt. Bewirkt die wenig aktive linke Hirnhälfte, dass die rechte Seite ihre Aktivität erhöht? Oder unterdrückt die zu stark aktive rechte Seite die Aktivität in der linken?

Die Forscher um Nicole Reef vom MPI CBS untersuchten nun mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) die Gehirnaktivät bei Erwachsenen, die seit ihrer Kindheit stottern. Während der Untersuchung sollten sich die Probanden in Gedanken vorstellen, die Monatsnamen aufzuzählen. Diese Methode wählten die Wissenschaftler, um zu verhindern, dass Sprechbewegungen die MRT-Signale stören.

Regionen auf der rechten Hirnseite überaktiv

Reef und ihr Team fanden heraus, dass die Überaktivität auf der rechten Hirnseite der eigentliche Grund für das Stottern zu sein scheint: Diese könnte die Betroffenen hemmen, Sprechbewegungen vorzubereiten und auszuführen – und sie so daran hindern, flüssig zu sprechen. „Die rechte untere Windung des Stirnhirns ist bei allen Menschen immer dann besonders aktiv, wenn wir Bewegungen wie Hand- oder Sprechbewegungen stoppen“, erklärt Nicole Neef, die Erstautorin der Studie. „Ist diese Region jedoch überaktiv, kommt es zu einer übermäßigen Hemmung. Bei Personen, die stottern, sind davon höchstwahrscheinlich gerade jene Hirnregionen betroffen, die die Sprechbewegungen steuern.“

Dazu gehören Bereiche im linken Frontallappen, vor allem der linke Gyrus frontalis inferior (IFG), der für die Planung des Sprechens zuständig ist, und der linke Motorcortex, der die eigentlichen Sprechbewegungen steuert. „Sind diese beiden Prozesse zu stark gehemmt, wird eine Person daran gehindert, flüssig zu sprechen“, erläutert die Neurowissenschaftlerin.

So entdeckten die Forscher innerhalb des überaktiven rechten Netzwerks eine Faserbahn, die bei Probanden, die stottern, deutlich stärker ausgebildet war als bei Teilnehmern ohne Sprechprobleme. „Je stärker der sogenannte Frontale Aslant Trakt, kurz FAT, war, desto schwerer war das Stottern ausprägt“, berichtet Neef. „Aus früheren Studien wissen wir, dass diese Verbindung eine wichtige Rolle bei der Feinabstimmung von Signalen spielt, die Bewegungen hemmen. Die übermäßige Aktivität dieses Netzwerkes und seine stärkeren Verbindungen könnten darauf hindeuten, dass die Ursache des Stotterns darin liegt, dass Sprechbewegungen zu stark gehemmt werden.“ 

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