Schwere Erkrankung im hohen Alter kann Scheidung begünstigen

Mehr zu den Themen schwere Krankheit, höheres Lebensalter, Ehe, Scheidung
  • Autor: 
  • Artikel: 09.05.2014

Anzeigen

Bei älteren Frauen, bei denen eine schwere Erkrankung diagnostiziert wird, ist das Scheidungsrisiko erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die verheiratete Paare über einen Zeitraum von 20 Jahren untersuchte.

Bei einem Ehegelöbnis versprechen sich beide Partner, in guten wie in schlechten Zeiten, bei Gesundheit und bei Krankheit zueinander zu stehen. Doch wenn bei einem älteren Ehepaar die Frau schwer erkrankt, scheint dies das Risiko für eine Scheidung zu erhöhen. Wird die schwere Erkrankung dagegen beim Ehemann diagnostiziert, beeinflusst das das Scheidungsrisiko nicht.

Amelia Karraker und ihr Team von der Universität Michigan (USA) analysierten die Daten von 2717 verheirateten Paaren, die über einen Zeitraum von 20 Jahren an der „Health and Retirement Study“ (Studie zu Gesundheit und Ruhestand) teilgenommen hatten. Diese wurde vom Institut für Sozialforschung an der Universität Michigan seit 1992 durchgeführt. Um teilzunehmen, musste mindestens einer der Ehepartner bei der ersten Befragung über 50 Jahre alt sein.

Die Wissenschaftler um Karraker werteten aus, wie sich der Beginn einer schweren körperlichen Krankheit auf die Qualität der Ehe auswirkt. Dabei wurden vier schwere Erkrankungen in die Analyse einbezogen: Krebs, Schlaganfälle, Herz- und Lungenerkrankungen.

Kranke Frauen leiden doppelt unter dem Stress einer Trennung

Insgesamt wurden 31 Prozent der Ehen im Untersuchungszeitraum geschieden. Das war signifikant häufiger der Fall, wenn die Ehefrau an einer der vier genannten Leiden erkrankte. Allerdings erlaubt die Studie keine Aussage über die Gründe, die in diesen Fällen zu einer Scheidung geführt haben. Karraker äußert dazu jedoch mehrere Vermutungen. „Geschlechterrollen und soziale Erwartungen zur Pflege eines Kranken erschweren es Männern vermutlich, ihre kranke Frau zu versorgen“, sagt die Forscherin. Außerdem hätten geschiedene Männer im höheren Alter mehr Chancen als Frauen, eine neue Partnerin zu finden.

„Aus der Studie geht zwar nicht hervor, wer von beiden Partnern die Scheidung eingereicht hat. Aber man sollte sich bewusst machen, dass dies in den meisten Fällen die Frau tut“, sagt Karraker. „Deshalb könnte es sein, dass eine Frau mit einer schweren Erkrankung sich lieber trennt, wenn ihr Mann sie nicht ausreichend versorgen kann, und sich bei der Pflege lieber auf Freunde und Verwandte verlässt.“

Auf jedem Fall sollten die Verantwortlichen im Gesundheitssystem dem Zusammenhang zwischen schweren Erkrankungen und Scheidungsrisiko Beachtung schenken, so Karraker. „Wenn man chronisch Kranken professionelle Unterstützung anbietet, kann das Belastungen in der Ehe verringern und womöglich auch Scheidungen im höhen Lebensalter verhindern“, sagt die Soziologin. Auf der anderen Seite sollte man auch beachten, dass geschiedene Frauen sowohl unter ihrer Erkrankung als auch unter der Scheidung leiden, so die Forscherin. „Vermutlich brauchen auch sie zusätzliche Unterstützung, damit sich ihre Gesundheit nicht weiter verschlechtert.“

Quelle:

  • Population Association of America. Karraker, A. (2014). Präsentation bei der Jahrestagung der Population Association of America, 1. Mai 2014.
Themen schwere Krankheit, höheres Lebensalter, Ehe, Scheidung

Gesundheitsfragen zum Thema

Stellen Sie hier Ihre individuelle Gesundheitsfrage