Schutz vor chronischen Nierenerkrankungen

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  • Artikel: 20.05.2016

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Eine einfache und kostengünstige Gesundheitsmaßnahme könnte dazu beitragen, chronischen Nierenerkrankungen in Entwicklungsländern vorzubeugen. Dies hat ein Forscherteam aus Singapur, Pakistan und Großbritannien in einer Studie festgestellt, die über sieben Jahre in Pakistan durchgeführt wurde.

Bis zu 500 Millionen Menschen auf der Welt haben eine chronische Nierenerkrankung. Sie gehört zu den Todesursachen, die in den letzten Jahren weltweit am stärksten angestiegen sind. Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung benötigen eine Dialyse oder eine Nierentransplantation – Maßnahmen, die sich die meisten Menschen in Entwicklungsländern nicht leisten können. Obwohl bekannt ist, dass der Lebensstil und bestimmte Vorerkrankungen das Risiko für chronische Nierenerkrankungen erhöhen, fehlt es vielfach an Gesundheitsmaßnahmen, die solche Informationen in der Öffentlichkeit verbreiten.

Um dieses Problem in Angriff zu nehmen, untersuchten Tazeen Jafar von der Duke NUS Medical School in Singapur und ihre Kollegen aus Pakistan, Singapur und Großbritannien, wie sich eine kombinierte öffentliche Gesundheitsmaßnahme auf die Nierengesundheit von Erwachsenen mit Bluthochdruck in Pakistan auswirkt. Die Studie, die von der Aga Khan Universität in Karatschi aus durchgeführt wurde, schloss 1271 Erwachsene ein. In den teilnehmenden Gemeinden erhielten die Mitarbeiter im Gesundheitswesen in einem Zeitraum von zwei Jahren ein Training, in dem sie über die Aspekte eines gesunden Lebensstils informiert wurden: zum Beispiel eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, Nichtrauchen und die regelmäßige Einnahme blutdrucksenkender Medikamente. Gleichzeitig wurden die Allgemeinärzte in den teilnehmenden Gemeinden über die aktuellsten Standards im Umgang mit Bluthochdruck informiert.

Durch einfache Maßnahmen bleibt Nierengesundheit erhalten

Sieben Jahre nach Beginn der Studie war die Nierenfunktion bei Erwachsenen, deren Gemeinde an der Intervention teilgenommen hatte, unverändert. Dagegen hatte sich die Nierenfunktion bei Erwachsenen mit Bluthochdruck, die die übliche Gesundheitsversorgung erhalten hatten, signifikant verschlechtert. So war die Wahrscheinlichkeit, einen zwanzig-prozentigen Rückgang der Nierenfunktion zu erleben, bei Probanden, deren Gemeinde an den Maßnahmen teilgenommen hatte, halb so hoch wie in der Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse publizierten die Forscher in der Fachzeitschrift „Clinical Journal of the American Society of Nephrology“ (Ausgabe 19. Mai).

„Wir konnten zeigen, dass solche praktischen Maßnahmen die Nierengesundheit der Bevölkerung mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig verbessern können“, sagt Jafar. „Solche einfachen Strategien könnten auch in anderen Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau eingesetzt werden, in denen es ähnliche gesundheitliche Risikofaktoren und ein ähnliches Gesundheitssystem gibt.“

In einem begleitenden Editorial betonen Min Jun und Brenda Hemmelgarn von der kanadischen Universität Calgary, dass der Blutdruck nur bei 13,2 Prozent der Risikopatienten – zum Beispiel Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen – angemessen kontrolliert wird. Gleichzeitig sei das Wissen über chronische Nierenerkrankungen in Entwicklungsländern niedriger als in westlichen Industrieländern. „Das bedeutet, dass schon einfache Strategien einen bedeutsamen Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung haben können“, schreiben Jun und Hemmelgarn. In zukünftigen Studien sollte nun untersucht werden, ob Maßnahmen zur Vorbeugung chronischer Nierenerkrankungen in Entwicklungsländern Kosten einsparen und auch langfristig von Nutzen sind, so die Autoren.

Quellen:

Themen chronische Nierenerkrankungen, Vorbeugung, Bluthochdruck, Entwicklungsländer

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