Schlafmangel erhöht Risikobereitschaft

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  • Artikel: 08.09.2017

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Viele Menschen in den westlichen Industrieländern schlafen zu wenig. Das kann zu Schläfrigkeit, Problemen bei der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit und zu einer geringeren Leistungsfähigkeit führen. Forscher aus Zürich haben nun gezeigt, dass eine verminderte Schlafdauer auch die Risikobereitschaft erhöht – ohne dass sich die Betroffenen dessen bewusst sind.

Das Forscherteam um Christian Baumann von der Universität Zürich (UZH) und dem Universitätsspital Zürich untersuchten 14 gesunde männliche Studenten im Alter von 18 bis 28 Jahren. Schliefen die Probanden eine Nacht lang zu wenig, hatte dies keine Konsequenzen auf ihr Risikoverhalten. Bekamen sie dagegen eine Woche lang nur 5 Stunden Schlaf pro Nacht, zeigten sie ein deutlich risikoreicheres Verhalten im Vergleich zu einer Schlafdauer von 8 Stunden pro Nacht.

In dem Versuch mussten die Teilnehmer zwei Mal pro Tag entscheiden, ob sie entweder einen kleineren Geldbetrag sicher oder eine größere Geldmenge mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erhalten wollten. Je risikoreicher ihre Entscheidung, desto mehr Geld konnten sie gewinnen. Allerdings war dann auch das Risiko höher, leer auszugehen. Nach einer Woche mit verminderter Schlafdauer verhielten sich 11 der 14 Studienteilnehmer signifikant risikoreicher als bei einer normalen Schlafdauer.

Dabei schätzten die Studenten ihr Risikoverhalten jedoch als gleich hoch ein wie unter normalen Schlafbedingungen. „Wir bemerken selbst also nicht, dass wir unter Schlafmangel riskanter handeln“, betont Christian Baumann, Professor für Neurologie und Leiter des Klinischen Forschungsschwerpunkts „Sleep and Health“ an der Universität Zürich.

Schlaftiefe in bestimmter Hirnregion beeinflusst Risikoverhalten

Gleichzeitig konnten die Wissenschaftler erstmals zeigen, dass eine niedrige Schlaftiefe in einer Region im rechten Stirnhirn, dem so genannten rechten präfrontalen Kortex, direkt mit der erhöhten Risikobereitschaft zusammenhängt. Diese Gehirnregion wurde bereits in früheren Studien mit riskantem Verhalten in Zusammenhang gebracht. „Wir nehmen an, dass Verhaltensänderungen gewissermassen anatomisch-funktionell begründet auftreten, indem sich der rechte präfrontale Kortex bei chronischem Schlafmangel ungenügend erholen kann“, folgert Baumann.

Junge Erwachsene brauchen durchschnittlich etwa 9 Stunden Schlaf pro Nacht, bei älteren Erwachsenen sind es rund 7,5 Stunden. Viele Menschen in westlichen Industrieländern schlafen jedoch deutlich weniger. So berichtet rund ein Drittel der Befragten in Studien über zu kurze Schlafzeiten. Die Folgen können Schläfrigkeit und eine verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sein. Schlafen junge Erwachsene weniger als 8 Stunden pro Nacht, führt dies häufig zu Aufmerksamkeitsproblemen der, die erhebliche negative Konsequenzen haben können – etwa Beeinträchtigungen in Studium, Ausbildung oder Beruf.

Baumann und sein Team plädieren deshalb dafür, dass alle Menschen ausreichend schlafen sollten – insbesondere Führungspersonen in Politik und Wirtschaft, die jeden Tag weitreichende Entscheidungen treffen müssen. „Erfreulich ist, dass in der leistungsorientierten Managerwelt genügend Schlaf zunehmend als erstrebenswert gilt“, so Baumann.

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