Pflanzlicher Wirkstoff könnte bei Asthma helfen

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  • Artikel: 15.09.2017

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Forscher der Universität Bonn haben eine neue Substanz entdeckt, die bei Asthma wirksam sein könnte. Der Wirkstoff namens FR900359 stammt aus den Blättern der Korallenbeere (Ardisia crenata) – auch als gekerbte Spitzblume oder Gewürzbeere bekannt. Er verhindert die Verengung der Bronchialmuskulatur, die zu schweren Asthmaattacken führen kann.

Bei Asthma kommt es regelmäßig zu krampfartigen Verengungen der Bronchialmuskeln, so genannten Asthmaattacken. Dabei haben die Betroffenen Schwierigkeiten beim Atmen, was lebensbedrohlich sein kann. Die Wissenschaftler um Daniela Wenzel von den Instituten für Physiologie I, Pharmazeutische Biologie und Pharmazeutische Chemie der Universität Bonn fanden nun in einer Untersuchung mit Mäusen heraus, dass der Wirkstoff FR900359 diese Verengung der Muskeln fast vollständig verhindert. Er wirkt dabei effektiver als das am weitesten verbreitete Medikament gegen Asthma, Salbutamol, das in Asthmasprays enthalten ist. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“.

Die Korallenbeere kommt in Indien, Malaysia und vielen weiteren asiatischen Ländern vor. Im Winter trägt sie auffällige rote Beeren, die sie auch als Zierpflanze beliebt machen. In Zusammenarbeit mit Forschern aus Nottingham (Großbritannien) gelang es den Bonner Wissenschaftlern zunächst, die pharmazeutisch wirksame Substanz FR900359 aus den Blättern der Korallenbeere zu isolieren und zu charakterisieren. „Dieser Wirkstoff hemmt wichtige Signalmoleküle in unseren Zellen, die Gq-Proteine“, erklärt Wenzel. Gq-Proteine spielen bei vielen Vorgängen im Körper eine Schlüsselrolle – unter anderem bei der Kontrolle der Muskelspannung in den Atemwegen.

Neue Substanz wirkt stärker und länger als Salbutamol

Bei einer Verengung der Bronchien wirken verschiedene Signalwege in den Zellen zusammen. Diese Signalwege laufen in den Gq-Proteinen zusammen. Mithilfe der bisherigen Wirkstoffe ist es nur möglich, einen bestimmten Signalweg zu hemmen und dadurch die Verengung der Bronchien zu verringern – aber nicht, sie bei Patienten mit schwerem Asthma vollständig zu verhindern. „Wenn wir die Aktivierung der Gq-Proteine mit FR900359 hemmen, erreichen wir einen deutlich größeren Effekt“, betont Michaela Matthey, eine der Koautorinnen der Studie. Dadurch ist die Substanz wirksamer als das Asthmamedikament Salbutamol – und die Wirkung hält zusätzlich länger an.

„Wir konnten verhindern, dass die Mäuse auf Allergene wie Hausstaubmilben mit einer Verengung der Bronchien reagiert haben“, berichtet Wenzel. Darüber hinaus traten kaum Nebenwirkungen auf – denn der Wirkstoff kann inhaliert werden, so dass nur geringe Mengen in den Blutkreislauf gelangen. „Allerdings haben wir die Substanz bisher nur bei Mäusen mit Asthma getestet“, betont Wenzel. Deshalb ist noch nicht bekannt, ob sie auch beim Menschen angewendet werden kann. Bisher haben die Wissenschaftler Hinweise auf die Wirksamkeit von FR900359 in menschlichen Bronchienmuskelzellen in der Petrischale und in isolierten menschlichen Atemwegen gefunden.

Allerdings müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, bevor der Wirkstoff auch beim Menschen angewendet werden kann. Dies könnte noch einige Jahre dauern.

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