Konfrontationstherapie ist auch bei traumatisierten Jugendlichen wirksam

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  • Artikel: 09.01.2014

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Weibliche Jugendliche, die nach sexuellem Missbrauch unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, profitieren von einer Expositionstherapie mehr als von einer unterstützenden Beratung. Die Expositionstherapie hat sich bereits bei Erwachsenen als sehr wirksam erwiesen, bei Jugendlichen wird sie jedoch bisher selten eingesetzt – aus Angst, dass sie die Symptome der PTBS verstärken könnte.

Gesundheitkompakt Berlin – Langfristige Expositionstherapie ist eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie, bei der die Patienten die traumatischen Ereignisse erneut durchleben sollen. Anstatt Erinnerungen an das Trauma und auslösende Reize zu vermeiden, sollen sie sich bewusst an die traumatischen Szenen erinnern und sich mit ihnen auseinandersetzen.

Edna B. Foa und ihr Team von der University of Pennsylvania in Philadelphia (USA) vermuteten nun, dass eine Expositionstherapie auch bei traumatisierten Jugendlichen die Symptomatik verringern und zu einem besseren Allgemeinbefinden beitragen kann. An ihrer Studie nahmen 61 weibliche Jugendliche teil, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung litten. Die Hälfte der Teilnehmerinnen erhielt vierzehn 60- bis 90-minütige Sitzungen einer Expositionstherapie, die andere Hälfte nahm an einer unterstützenden Beratung im gleichen Umfang teil.

Dabei wurde die Therapie von Beratern durchgeführt, die bisher keine Erfahrungen mit der Expositionstherapie hatten. Zwölf Monate nach Abschluss der Therapie wurde die Symptomatik erneut untersucht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Journal oft he American Medical Association“ (JAMA; Online-Veröffentlichung vom 25. Dezember) erschienen.

Hohe Erregung bei der Exposition könnte den Rückgang der Symptome begünstigen

Tatsächlich zeigte sich die Expositionstherapie als deutlich wirksamer als eine unterstützende Beratung: In der ersten Gruppe hatten die PTBS-Symptome am Ende der Therapie deutlich stärker abgenommen, und die Teilnehmerinnen erhielten seltener noch die Diagnose „PTBS“. Zudem hatten sie weniger depressive Symptome und ein bessere allgemeine psychische Funktionsfähigkeit als die Teilnehmerinnen der Vergleichsgruppe. Diese Unterschiede waren auch zwölf Monate nach Abschluss der Therapie noch zu beobachten.

„Eine wichtige Schlussfolgerung aus den Ergebnissen ist, dass eine langfristige Expositionstherapie auch für Jugendliche geeignet ist, wenn sie zu einer Teilnahme motiviert sind“, schreiben die Autoren. Dieses Ergebnis sei auch deshalb wichtig, weil der Bedarf an wirksamen PTBS-Therapien deutlich größer sei als das vorhandene Angebot.

„Die Ergebnisse sollten Therapeuten die Sorge nehmen, dass eine Expositionstherapie bei Jugendlichen schädliche Auswirkungen haben könnte“, schreibt Sean Perrin von der Lund Universität (Schweden) in einem Kommentar zur Studie. „Die erhöhte Erregung, die bei der Konfrontation mit den traumatischen Erinnerungen entsteht, verschwindet normalerweise nach ein paar Sitzungen wieder – und sie führt gleichzeitig zu einer schnellen Abnahme der Symptome.“

Zukünftige Forschungsarbeiten sollten jedoch untersuchen, wie viel Training und Supervision notwendig ist, damit Therapeuten die Expositionstherapie wirksam und sicher durchführen können, betont Lund. (gk/ca)

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