Hormonersatztherapie hat mehr Nutzen als Risiken

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  • Artikel: 06.05.2016

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Eine Hormonersatztherapie (HET) hat bei Frauen in den Wechseljahren mehr Nutzen als Risiken, betonen die Autoren einer Studie, die vor fast 15 Jahren vor allem die Risiken der HET deutlich gemacht hatte. Die Ergebnisse seien jahrelang fehlinterpretiert worden, so dass vielen Frauen mit Wechseljahrs-Symptomen eine Hormontherapie verweigert worden sei, schreiben die Forscher in der angesehenen Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“.

Die Women’s Health Initiative-Studie (WHI-Studie) wurde im Jahr 2002 veröffentlicht. Sie untersuchte Frauen, die zu Beginn der Therapie durchschnittlich 63 Jahre alt waren – also die Wechseljahre lange hinter sich hatten. Die Untersuchung sollte die Frage beantworten, ob eine Hormonersatztherapie selbst in diesem relativ hohen Alter Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen könne. Dabei wurde nur ein einziges, in Europa eher unübliches Medikament in relativ hoher Dosierung eingesetzt. Zudem hatte etwa die Hälfte der Frauen deutliche gesundheitliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Rauchen. Ein Teil litt außerdem unter Vorerkrankungen wie Diabetes oder koronarer Herzerkrankung.

In ihrer aktuellen Veröffentlichung betonen JoAnn E. Manson und Andrew M. Kaunitz, zwei der Hauptautoren der WHI-Studie, dass der Nutzen einer HET bei weitem die möglichen Risiken übersteige. Durch die jahrelange fehlerhafte Interpretation der Studiendaten seien Ärzte und Patientinnen davon ausgegangen, dass eine Hormonersatzbehandlung immer hohe gesundheitliche Risiken berge. Hunderttausende von Frauen hätten daher die Hormonpräparate abgesetzt oder seien nicht angemessen behandelt worden.

Ergebnisse aus WHI-Studie gelten nicht für Frauen in Wechseljahren

In der Studie von 2002 wurde die Frage, ob Frauen in den Wechseljahren mit einem gesunden Herz-Kreislauf-System von einer HET profitieren und ob in dieser Altersgruppe gesundheitliche Risiken entstehen, überhaupt nicht gestellt. Dennoch wurden die Ergebnisse von Ärzten und den Medien auf gesunde Frauen in den Wechseljahren übertragen, so dass vor einer HET in diesem Alter generell gewarnt wurde.

Wertet man in der WHI-Studie nur die Daten der Frauen zwischen 50 und 59 Jahren aus, zeigt sich, dass eine HET die Hormonmangel-Symptome bei ihnen anhaltend beseitigen kann. Außerdem waren bei ihnen weniger Knochenbrüche, eine geringere Diabetes-Erkrankungsrate und allgemein weniger Todesfälle zu beobachten. Bei einer Untergruppe, die eine alleinige Behandlung mit Östrogenen erhielt, wurde zudem eine Senkung der Brustkrebsrate festgestellt.

Das bedeutet, dass Frauen, die unter Wechseljahres-Symptomen leiden, am besten ab dem Beginn der Wechseljahre eine Hormonersatztherapie erhalten sollten, um ihre Beschwerden zu lindern. Diesen Frauen eine HET zu verweigern, erzeuge einen großen und unnötigen Leidensdruck, so die Studienautoren.

„Mindestens ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist durch den Verlust der Hormonproduktion so sehr beeinträchtigt, dass sie eine medizinische Unterstützung brauchen, die über allgemeine Tipps zur Lebensführung und pflanzliche Plazebos hinausgeht“, sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Viele von ihnen haben jahrelang um ihre Gesundheit gefürchtet, wenn wir ihnen einen Ersatz ihrer Hormone empfohlen und verordnet haben. Es ist sehr erfreulich, dass die Autoren der WHI-Studie selbst nun die Aussagefähigkeit ihrer Studie zurechtgerückt haben.“

Quellen:

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V., des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. und der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V.

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