Gehirndoping bei jungen Menschen: Risiko für die Gehirnentwicklung

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  • Artikel: 21.05.2014

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Medikamente, die die geistige Leistungsfähigkeit und die Wachheit erhöhen – so genannte Smart Drugs – können bei jungen Menschen die Funktionsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigen. Der langfristige Missbrauch solcher Substanzen kann die Plastizität des Gehirns vermindern, die für planendes Denken und geistige Flexibilität notwendig ist.

Zu den Smart Drugs, die bei jungen Leuten am beliebtesten sind, gehören Methylphenidat, das als Ritalin gegen Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) verordnet wird, und Modafinil, das bei bestimmten Schlafstörungen wie der Narkolepsie eingesetzt wird. Smart Drugs werden von jungen Leuten immer öfter missbraucht, zum Beispiel, um gestiegene Anforderungen in Ausbildung und Beruf zu bewältigen. In den USA missbrauchen über eine Million Schüler und Studenten solche verschreibungspflichtigen Arzneimittel oder nehmen illegale Stimulanzien – mit dem Ziel, ihre Aufmerksamkeit und ihr Gedächtnis zu verbessern und länger wach bleiben zu können.

In einer neuen Studie werteten Kimberly Urban von der Universität Delaware und Wen-Jun Gao vom Drexel College in Philadelphia (USA) die aktuelle Forschungsliteratur aus, die sich mit den Auswirkungen von Smart Drugs auf die Gehirnentwicklung beschäftigt hat. Dabei stellte sich heraus, dass die kurzzeitige Verbesserung der geistigen Fitness einen hohen Preis haben könnte: Langfristig gesehen scheinen Smart Drugs die Plastizität des Gehirns zu verringern. Diese ist notwendig, um schnell zwischen Aufgaben hin und her schalten zu können, vorauszuplanen und flexibel und angemessen auf die Umwelt reagieren zu können.

Langfristig können Smart Drugs die geistige Flexibilität verringern

Methylphenidat oder Ritalin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das heute oft auch auf dem Schwarzmarkt verkauft wird. Es erhöht die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin im Gehirn. Dopamin ist auch als „Glückshormon“ bekannt und steigert den Antrieb, Noradrenalin regt ebenfalls das Herz-Kreislauf-System an.

Versuche an Ratten haben gezeigt, dass junge Gehirne, die noch in der Entwicklung sind, besonders anfällig für die Effekte von Methylphenidat sind: Im frühen Lebensalter können schon niedrige Dosierungen die Aktivität der Nervenzellen hemmen und das Arbeitsgedächtnis und die geistige Flexibilität verringern. Diese Fähigkeiten sind zum Beispiel für komplexe Bewegungsabfolgen, soziale Fähigkeiten und die Leistungsfähigkeit im Beruf wichtig.

Auch bei Modafinil wird vermutet, dass es die Konzentration von Dopamin im Gehirn erhöht. Es kann das Gedächtnis und die Leistungsfähigkeit bei geistigen Aufgaben, zum Beispiel Rechenaufgaben, verbessern. Die Auswertung von Urban und Gao zeigt jedoch, dass Modafinil ähnlich ungünstige Langzeitwirkungen auf die Gehirnentwicklung haben könnte wie Methylphenidat.

Weitere Forschungsarbeiten zu den Langzeitwirkungen von Smart Drugs seien dringend notwendig, betonen die Wissenschaftler. „Substanzen, die für Erwachsene sicher sind, sind nicht notwendigerweise auch für Kinder sicher“, warnt Urban. „Das menschliche Gehirn entwickelt sich auch noch mit Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig weiter – und junge Menschen sind besonders gefährdet, Smart Drugs zu missbrauchen.“ Bis jetzt wisse man noch zu wenig über die Auswirkungen auf das junge Gehirn, um Smart Drugs als sicher zu bezeichnen, betont der Forscher.

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