Erhöhen Dating-Apps das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten?

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  • Artikel: 13.06.2014

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Dating-Apps für schwule Männer könnten deren Risiko erhöhen, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Das könnte daran liegen, dass solche Apps den Kontakt zu neuen Sexualpartnern vereinfachen – und so die User zu eher riskanten Sexualkontakten verleiten.

Schwule und bisexuelle Männer, die sich online kennenlernen, haben mehr ungeschützten Sex und mehr unterschiedliche Partner als Männer, die ihre Sexualpartner auf anderem Weg treffen. Das haben bereits frühere Untersuchungen gezeigt. Seit 2009 werden auch Smartphone-Apps zum Kennenlernen neuer Sexualpartner immer beliebter. Sie nennen sich zum Beispiel „Grindr“, „Scruff“ oder „Recon“. Bei diesen Applikationen können die Nutzer mithilfe ihrer GPS-Position andere User in der unmittelbaren Umgebung auffinden und kontaktieren.

In einer neuen Studie untersuchten Matthew R. Beymer und sein Team von der University of California in Los Angeles nun, ob ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von Smartphone-Apps, dem Sexualverhalten und einem erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten (STD) besteht. In den Jahren 2011 bis 2013 befragten die Forscher insgesamt 7184 schwule oder bisexuelle Männer, die ein Zentrum für sexuell übertragbare Krankheiten in Los Angeles aufsuchten. Alle Männer waren HIV-negativ und machten Angaben über ihren Drogenkonsum und ihre Methoden, Sexualpartner zu finden. Die Ergebnisse publizierten die Forscher in der Fachzeitschrift „Sexually Transmitted Infections“.

App-Nutzer sind vorwiegend jung und gebildet

Etwa ein Drittel (34 Prozent) der Teilnehmer lernten ihre Sexualpartner nur auf persönlichem Weg, zum Beispiel in Bars oder Pubs kennen. 30 Prozent nutzten eine Kombination aus persönlichen Treffen und Online-Dating, 36 Prozent entweder nur Smartphone-Apps oder eine Kombination aus Apps und anderen Methoden. Dating-Apps wurden dabei vorzugsweise von unter 40-Jährigen, gebildeten Männern eingesetzt. Im Vergleich zu denen, die keine Apps nutzten, nahmen sie auch mehr Drogen wie Kokain oder Ecstacy.

In der weiteren Auswertung wurden demographische Merkmale und Drogenkonsum statistisch kontrolliert. Hier zeigte sich, dass Männer, die Dating Apps nutzten, eine etwas höhere STD-Rate hatten als die übrigen Teilnehmer. Insbesondere waren sie 23 Prozent häufiger mit Gonorrhoe und 35 Prozent häufiger mit Chlamydien infiziert. Bei Infektionen mit Syphilis oder HIV bestanden dagegen keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Beymer und sein Team vermuten, dass Smartphone Apps es ermöglichen, schnell neue Sexualpartner kennenzulernen. Dadurch könnte es vermehrt zu anonymen, riskanten Sexualkontakten kommen, die die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung mit STD erhöhen.

Allerdings gelten die Ergebnisse zunächst nur für Männer aus dem Raum Los Angeles und solche, die eine medizinische Einrichtung zur Diagnose von STD aufsuchen. Ob sich die Ergebnisse auch auf andere schwule oder bisexuelle Männer übertragen lassen, muss noch in weiteren Studien überprüft werden.

Dennoch könnte es sein, dass Dating Apps zur Entstehung bestimmter sozialer Gruppen führen, in denen die Nutzer eine höhere Wahrscheinlichkeit für STD haben als in anderen sozialen Netzwerken. „Deshalb müssen Präventionsprogramme lernen, wie man die gleiche Technologie nutzen kann, um aktuelle Risikofaktoren für eine Ansteckung mit STD zu verringern“, betonen die Forscher.

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