Bösartiger Hirntumor: Eingriff in Fettsäure-Stoffwechsel verlangsamt Wachstum

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  • Artikel: 17.05.2019

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Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Er wächst schnell und hat daher eine schlechte Prognose: Ohne Behandlung leben die Betroffenen meist nur noch wenige Monate, mit Behandlung durchschnittlich 15 Monate. Obwohl das Glioblastom seit Langem intensiv erforscht wird, zählt es immer noch zu den gefährlichsten Krebsarten. Eine endgültige Heilung ist bisher nicht möglich.

Um so schnell wachsen zu können, brauchen die Zellen des Glioblastoms viel Energie. Bisher war bekannt, dass die Glioblastom-Zellen ihren Fettsäure-Stoffwechsel umprogrammieren, um so Energie für ihr schnelles Wachstum zu gewinnen. Wie dieser Mechanismus genau funktioniert, war bisher jedoch unbekannt. Nun hat ein Forscherteam vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ein Protein entdeckt, das den Transport von Fettsäuren in die Mitochondrien – die „Kraftwerke der Zellen“ – verstärkt. Auf diese Weise erschließen sich die Glioblastom-Zellen eine Energiequelle für ihre schnelle Zellteilung. Die Entdeckung könnte die Basis für neue Therapieansätze des aggressiven Hirntumors sein. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“.

Tumor wächst langsamer und Tiere leben länger

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler um Julieta Alfonso vom DKFZ die Produktion eines bestimmten Proteins, des Acyl-CoA-bindenden Proteins (ACBP) in Mäusen. Dabei stellten sie fest, dass ACBP die Verfügbarkeit von Fettsäuren in den Mitochondrien kontrolliert. Daraufhin fragten sich die Forscher, was passiert, wenn ACBP ausgeschaltet wird. „Es gelang uns schließlich, das ACBP in unseren Mäusen gezielt genetisch ganz auszuschalten“, berichtet Afonso, die Seniorautorin der Studie „Dies führte dazu, dass die Tiere plötzlich länger lebten, weil der Tumor weniger Energie zur Verfügung hatte und dadurch weniger gut wachsen konnte.“

In mehreren präklinischen Untersuchungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass den Glioblastomen durch die Blockade von ACBP die Energiequelle entzogen wird. Dadurch wachsen die Tumorzellen langsamer und die Überlebenszeit der Mäuse verlängert sich. „Unsere Studie hat eine kritische Verbindung zwischen dem Fettsäure-Stoffwechsel und dem aggressiven Wachstum der Glioblastome aufgedeckt“, fasst Julieta Alfonso zusammen. „In Zukunft könnte das ACBP möglicherweise ein neues therapeutisches Ziel bei der Behandlung dieser bisher nur schlecht behandelbaren Krebsart darstellen.“

Allerdings müssen zuvor noch viele Fragen geklärt werden, betonen die Wissenschaftler. So gibt es bislang noch keinen Wirkstoff, der die Aktivität von ACBP hemmt. Daher ist bisher auch unklar, mit welchen Nebenwirkungen eine Hemmung von ACBP im Körper verbunden wäre.

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