Zu viel Perfektionismus ist ungesund

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  • Artikel: 11.10.2010
Zu hoch gesteckte Ziele können krank machen.

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Alles perfekt zu machen, klingt für viele verlockend. Doch wenn die Leistung niemals gut genug ist, haben Perfektionisten ein hohes Risiko, psychisch zu erkranken.

mp Düsseldorf - Alles perfekt zu machen, klingt für viele verlockend. Doch wenn die Leistung niemals gut genug ist, haben Perfektionisten ein hohes Risiko, psychisch zu erkranken.

Psychologen unterscheiden zwei Formen des Perfektionismus. Eine Gruppe der Betroffenen möchte zwar immer die bestmögliche Leistung erbringen, gesteht sich aber auch zu, Fehler zu machen oder einmal ganz zu versagen. Den Erfolg, der mit dem Erreichen eines anspruchsvollen Ziels einhergeht, können diese Menschen genießen. In dieser Form ist das Streben danach, immer besser zu werden, gesund und förderlich.

Doch es gibt eine krankmachende Variante: Die Betroffenen leiden unter der Angst, ihre eigenen hoch gesteckten Ziele nicht erreichen zu können. Dadurch erleben sie immer wieder Misserfolge. Sie sind nie mit sich zufrieden und haben ein negatives Selbstbild - schließlich sind sie ja nie gut genug. Personen, die unter dem schädlichen Perfektionismus leiden, können sogar Teilerfolge nicht würdigen. Schon kleine Fehler verderben für sie die ganze Aufgabe, beispielsweise ein komplexes Projekt. Gab es Mängel in einem Teilbereich, bedeutet dies für die Betroffenen Versagen auf ganzer Linie. Menschen mit förderlichem Perfektionismus erkennen hingegen, wo es gut gelaufen ist und in welchen Bereichen sie dazulernen sollten.

Krankhafte Perfektionisten bewerten andere Menschen und sich selbst nach ihrer Leistung. Daher bedeutet ein schlechtes Abschneiden bei Aufgaben für sie oft auch, dass andere sie nicht mehr mögen oder respektieren. Diese negative Einstellung überschattet ihr ganzes Denken, Fühlen und Verhalten, so dass die Betroffenen wie gelähmt sind. Auf Dauer belastet diese Haltung die Psyche. Die Menschen verlieren den Glauben daran, dass sie schwierige Situationen meistern können und entwickeln leichter eine Depression oder Angststörung als Zeitgenossen, die von sich überzeugt sind.

Zwar gilt Perfektionismus nicht als Krankheit. Experten empfehlen Menschen mit krank machenden perfektionistischen Neigungen jedoch, sich fachliche Hilfe beispielsweise bei einem Psychotherapeuten zu suchen. Im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie können sie dann lernen, ihre Ansprüche an sich selbst realistisch zu formulieren, das Nichtperfekte zu akzeptieren und Erfolge anzuerkennen. mp/bk

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