Prostatakrebs liegt in der Familie

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  • Artikel: 27.04.2010

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Ein erhöhtes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, haben Männer, in deren Verwandtschaft die Erkrankung bereits diagnostiziert wurde. Dies ermittelten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) nun in einer Studie.

mp Heidelberg - Ein erhöhtes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, haben Männer, in deren Verwandtschaft die Erkrankung bereits diagnostiziert wurde. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) errechneten hierzu nun in einer Studie die altersabhängigen, individuellen und familiären Risiken. Insgesamt umfasste die Untersuchung 26 651 Prostatakrebspatienten. 5 623 derselben stammten aus Familien, in denen die Erkrankung bereits vorhanden war. Die Studie gründet auf Daten des schwedischen nationalen Familien-Krebsregisters. Darin sind 11,8 Millionen Menschen gespeichert und jeder der über eine Million Krebsfälle, die zwischen den Jahren 1958 bis 2006 aufgetreten sind.

Je mehr direkte Angehörige, also Brüder und Väter eines Mannes, betroffen sind, desto höher ist sein persönliches Risiko, auch an Prostatakrebs zu erkranken. Die Forscher fanden heraus, dass Männer im Alter bis zu 65 Jahren mit drei betroffenen Brüdern ein 23 Mal höheres Erkrankungsrisiko aufwiesen als die Kontrollgruppe. In dieser waren Männer ohne betroffene Angehörige. Männer zwischen 65 und 74 Jahren, bei denen nur der Vater betroffen ist, beziehungsweise war, haben hingegen ein 1,8-fach erhöhtes Risiko und somit innerhalb der Gruppe der familiären Krebsfälle die niedrigste Risikosteigerung. Das persönliche Krebsrisiko fällt laut den Wissenschaftlern des DKFZ tendenziell umso höher aus, je jünger die Familienangehörigen bei der Diagnose Prostatakrebs waren.

Kritiker zweifeln an, dass die Ergebnisse ein falsches Bild wiedergeben, da Angehörige von Betroffenen alarmiert sind und aus diesem Grund besonders häufig an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Dadurch komme es bei ihnen auch oftmals zu Überdiagnosen: Es würden solche Tumore entdeckt, die zeitlebens nie Symptome bereitet hätten. Um diese Kritik zu widerlegen, prüften die Wissenschaftler die Sterblichkeit an Prostatakrebs bezüglich der Anzahl betroffener Verwandter. Sie kamen hierbei zum gleichen Ergebnis wie bei den Neuerkrankungen: Je mehr direkte Angehörige betroffen sind, desto höher ist das Prostatakrebsrisiko. Es handelt sich demnach um eine echte Risikosteigerung und es liegt nicht an den häufiger durchgeführten Früherkennungen. "Unsere Ergebnisse geben den Ärzten gute Anhaltspunkte: Hat ein Mann mehrere betroffene Angehörige, die womöglich sogar in jungen Jahren erkrankt sind, ist sein persönliches Risiko erheblich erhöht. In einem solchen Fall sollte der Hausarzt zu einer Früherkennungsuntersuchung raten", erläutert Studienleiter Kari Hemminki. mp/al

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