Neue Leukämiebehandlung ohne Chemotherapie

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  • Artikel: 14.07.2013

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In einer internationalen Studie ist es gelungen, eine bestimmte Form von Leukämie erfolgreich ohne Chemotherapie zu behandeln. Dabei bauen zwei Wirkstoffe einen Eiweißstoff ab, der zur Entartung der Knochenmarkszellen führt. 98 Prozent der Patienten mit einer so genannten Promyelozyten-Leukämie konnten auf diese Weise ohne Chemotherapie geheilt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden am 11. Juli in der angesehenen Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Gesundheitkompakt Berlin – Die akute Promyelozyten-Leukämie (APB) ist eine besondere Form der Leukämie, an der in Deutschland jährlich etwa 300 Menschen erkranken. Ursache ist ein fehlerhaftes Gen, durch das ein krebsauslösendes Protein entsteht. Das Protein stört die Weiterentwicklung der weißen Blutkörperchen, die dann die normale Blutbildung verhindern. Dadurch kommt es zu Blutgerinnungsstörungen und lebensgefährlichen Blutgerinnseln oder Blutungen.

In der neuen Studie, die an 40 italienischen und 27 deutschen Einrichtungen durchgeführt wurde, verglichen die Forscher bei über 160 Patienten eine neuartige Therapieform mit der bisherigen Standardtherapie. Studienleiter waren Uwe Platzbecker vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden, Richard Schlenk von der Universität Ulm und Francesco Lo-Coco von der Universität Tor Vergata in Rom. Bei der herkömmlichen Therapie wird die Promyelozyten-Leukämie mit einer Kombination aus Chemotherapie und dem Vitamin-A-Abkömmling All-trans Retinsäure (ATRA) behandelt. Mit dieser Therapieform konnten bisher 90 Prozent der Patienten geheilt werden.

Die neue Therapiemethode bestand dagegen aus den Substanzen ATRA und Arsentrioxid. Beide Wirkstoffe setzen an jeweils unterschiedlichen Stellen des defekten Gens an. Sie sorgen so dafür, dass das krebsauslösende Protein abgebaut wird und die Knochenmarkszellen wieder normal ausreifen können. Auf diese Weise konnten die Heilungsaussichten der Patienten deutlich erhöht werden: Die Zwei-Jahres-Überlebensraten lagen hier bei 98 Prozent.

Außerdem traten bei der neuen Therapieform zwar etwas mehr, jedoch weniger schwerwiegende Nebenwirkungen auf. So kam es teilweise zu bestimmten Veränderungen im EKG – der elektrischen Aktivität des Herzens – und vorübergehenden Schädigungen der Leber. Diese waren aber immer nur vorübergehend. Bei der herkömmlichen Therapie traten dagegen häufig Blutbildveränderungen, ein geschwächtes Immunsystem und teilweise lebensbedrohliche Infekte auf. Darüber hinaus ist die neue Therapie ist nicht nur besser verträglich, sie dauert auch statt zwei Jahren nur sechs Monate und kann in vielen Fällen ambulant durchgeführt werden.

„Die neue Kombinationstherapie bedeutet einen Zugewinn an Lebensqualität für die Patienten“, fasst Michael Lübbert vom Universitätsklinikum Freiburg zusammen, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Außerdem ist sie ein exzellentes Beispiel für eine zielgerichtete molekulare Therapie, mit der wir eine Leukämie ganz ohne Chemotherapie heilen konnten.“ gk/ca

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