Luftröhrenkrebs: Erste Organtransplantation einer synthetisch hergestellten autologen Trachea

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  • Artikel: 11.07.2011

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Zum ersten Mal ist einem Patienten ein Stück Trachea transplantiert worden, das aus einem synthetischen Gerüst aus Nanomaterial gebaut wurde, welches mit Patienten-eigenen Stammzellen gefüllt worden war.

Zum ersten Mal ist einem Patienten ein Stück Trachea (auch: Luftröhre) transplantiert worden, das aus einem synthetischen Gerüst aus Nanomaterial gebaut wurde, welches mit Patienten-eigenen Stammzellen gefüllt worden war. Bisher gab es nur „Leitstrukturen“ aus dem Gewebe Verstorbener, also gespendeter Tracheen, welche mit Stammzellen besiedelt werden konnten. Der 36 Jährige ist seit der Operation vor einem Monat guter Dinge. Er litt unter Trachealkrebs im Endstadium und sein Atemweg war bereits bis auf den Bronchus von einem über 6cm großen Tumor verwachsen. Weder aggressive Chemotherapie, noch Radiotherapie hatten den Tumor aufhalten können und ohne die Transplantation wäre er verstorben.

Prof. Macchiarini aus Italien, der bereits 10 Trachea Transplantationen durchgeführt hatte, leitete die 12 stündige Operation an, die am Karolinska Universitätskrankenhaus stattfand.

Zunächst wurde am University College London mittels der Bilder aus 3-D Scans des Patienten eine Kopie der Trachea mitsamt zweier Hauptbronchien aus einer Art Glas gefertigt. Dieses Modell wurde nach Schweden geflogen und diente dort als poröses Gerüst worin sich die dem Patienten aus dem Knochenmark und aus der Innenseite der Nase entnommenen Stammzellen in einer Lösung vermehren konnten. Nach nur zwei Tagen in einem Bioreaktor war das Gerüst mit Stammzellen besiedelt. Aus dieser Struktur fertigte Dr. Seifalian eine Replica als Ersatz für die tumorös durchsetzte Trachea. Da sich die Stammzellen weiter teilen und wachsen füllten sie das Gerüst mehr und mehr mit lebendem Gewebe aus und transformieren es in ein Organ, welches vom Immunsystem nicht mehr als „fremd“ abgestoßen wird.

In Anbetracht der Tatsache, dass es immer einen Mangel an passenden Spenderorganen gibt, stellt die regenerative Medizin eine Perspektive für die Zukunft da, zumal individualisierte Ersatzstrukturen keine Abstoßungsreaktionen evozieren und die langjährige Immunsuppression mit all den Nebenwirkungen ersparen. Ebenso hätten Kinder eine höhere Chance an ein passendes "Transplantat" zu gelangen.

Prof. Macchiarini möchte mit dieser Technik als nächstes einem neun Monate alten Baby in Korea helfen, das mit einer fehlgebildeten Trachea geboren wurde. (cj/gk)

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