Essen gegen die innere Uhr: Chaos für den Körper

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  • Artikel: 25.03.2013
Ernährungspyramide - Regelmäßig und gesund essen

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Ein Leben gegen den eigenen biologischen Rhythmus ist ungesund. Dies zeigt die Untersuchung eines Forscherteams um Carl Johnson von der Vanderbilt University in Nashville (USA). Die Wissenschaftler konnten erstmals zeigen, warum die Essenszeiten die Gesundheit entscheidend beeinflussen. In einer Untersuchung mit Mäusen beobachteten sie, dass die Reaktion der Körperzellen auf Insulin einem charakteristischen 24-Stunden-Rhythmus folgt. Wird dieser durcheinandergebracht, entwickeln die Mäuse eine anhaltende Insulinresistenz – ein Risikofaktor für Übergewicht und Diabetes.

Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass ständige Schichtwechsel, Arbeiten in der Nachtschicht oder Essen zu ungeeigneten Tageszeiten langfristig zu körperlichen Störungen führen – insbesondere zu Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.

In der neuen Untersuchung beobachteten die Forscher nun, dass die Zellen der nachtaktiven Mäuse während des Tages – also dann, wenn sie wenig aktiv sind und meist schlafen – am wenigsten auf Insulin reagieren. Diese so genannte Insulinresistenz bewirkt, dass Glukose (Zucker) im Blut nicht verwertet werden kann und die Blutzuckerwerte ansteigen. Zu anderen Tageszeiten konnten die Tiere Glukose effektiver abbauen.

Mäuse, deren 24-Stunden-Rhythmus durch einen genetischen Defekt ausgeschaltet war, zeigten dagegen eine konstant erhöhte Insulinresistenz. Und auch eine Gruppe von Mäusen, die ununterbrochen bei Tageslicht lebte, verlor ihren natürlichen biologischen Rhythmus und entwickelte eine anhaltende Insulinresistenz. Diese begünstigt wiederum die Entwicklung von Übergewicht und Diabetes. So nahmen die Tiere, deren biologischer Insulin-Rhythmus ausgeschaltet oder durcheinandergebracht worden war, bei fettreicher Nahrung stärker zu als die Mäuse der ersten Gruppe, bei denen der natürliche Insulin-Rhythmus erhalten war.

„Früher dachte man, dass manche körperlichen Vorgänge so wichtig sind, dass sie die ganze Zeit konstant sein müssten“, erläutert Johnson. „Aber in Wirklichkeit verändern sich viele Stoffwechselfunktionen in Abhängigkeit von der Tageszeit.“ Und dies ist nach Ansicht des Wissenschaftlers auch sinnvoll. Denn auch die natürliche Umgebung der meisten Lebewesen unterliegt einem charakteristischen Tagesverlauf. So ist es für viele Tierarten sinnvoll, tagsüber zu jagen und zu fressen und nachts zu schlafen – oder umgekehrt. Eine gute Anpassung an die wechselnden Umweltbedingungen erhöht dabei die Überlebenschancen.

Beim Menschen hat sich dieser natürliche Rhythmus im Lauf der Zeit gelockert: Licht steht den meisten zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung, und auch Nahrungsangebote gibt es im Überfluss. Es könnte jedoch sinnvoll sein, seine Ernährung an den natürlichen Tagesrhythmus anzupassen, meint Johnson – auch wenn man Übergewicht und Diabetes so nicht vollständig verhindern könne. „Am günstigsten ist es vermutlich, die Hauptmahlzeit mittags zu sich zu nehmen, abends etwas Leichtes zu essen und danach auf Snacks und Naschereien ganz zu verzichten“, so der Forscher. gk/ca

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