Epilepsie: Neue Behandlungsmöglichkeit

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  • Artikel: 30.11.2010

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Für Epilepsiepatienten, die nicht auf eine medikamentöse Therapie ansprechen, steht eine neue Behandlungsmethode zur Verfügung: die Tiefe Hirnstimulation (THS). Tübinger Ärzte haben einen solchen Hirnschrittmacher erfolgreich implantiert.

mp Tübingen - Für Epilepsiepatienten, die nicht auf eine medikamentöse Therapie ansprechen, steht eine neue Behandlungsmethode zur Verfügung: die Tiefe Hirnstimulation (THS). Am Universitätsklinikum Tübingen ist nun europaweit erstmals ein entsprechender Hirnschrittmacher gegen Epilepsie implantiert worden.

Dass die THS bei der Patientengruppe wirkt, hat eine aktuelle US-amerikanische Studie belegt. Bei 40 Prozent der mit dem Verfahren behandelten Teilnehmer sind nach 13 Monaten nur noch halb so viele Anfälle aufgetreten wie in der Placebo-Gruppe. Jeder zehnte Patient ist mindestens ein halbes Jahr anfallsfrei gewesen. Deshalb kann sich der operative Eingriff lohnen. Für die Tiefe Hirnstimulation setzen Neurochirurgen bei den Betroffenen zwei hauchdünne Drähte in die zentrale Verschaltungsstelle, den vorderen Thalamus, in der Mitte des Gehirns ein. Die Elektroden sind mit einem Stimulator unterhalb des Schlüsselbeins verbunden, der die Hirnregion in einem festen Rhythmus anregt.

Bereits etabliert ist die THS-Behandlung inzwischen bei anderen Erkrankungen wie Parkinson, Muskelzittern (Tremor) und krankhafte Muskelanspannung (Dystonie). "Für die Epilepsie stellt sie eine neue Möglichkeit für Patienten dar, denen andere Therapien nicht helfen", erläutert Professor Alireza Gharabaghi aus Tübingen. Und das gilt für viele Menschen, denn Schätzungen zufolge versagt der medikamentöse Ansatz bei rund einem Drittel der 400 000 bis 800 000 Epileptiker in Deutschland. Die THS-Behandlungsmethode könnte ihnen Hoffnung bieten, sie wird in spezialisierten neurochirurgischen Zentren angeboten.

Epileptische Anfälle werden von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst, die in schneller Folge unkoordinierte Impulse an die Muskeln aussenden. Das Ergebnis sind für den Betroffenen nicht kontrollierbare Krämpfe, die den ganzen Körper betreffen können. mp/ka

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