Epilepsie-Medikament könnte Tinnitus verhindern

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  • Artikel: 31.05.2013

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Forscher haben zum ersten Mal den genauen Mechanismus entdeckt, durch den Tinnitus entsteht. Gleichzeitig konnten die Mediziner zeigen, dass ein Medikament gegen Epilepsie die lästigen Ohrgeräusche, die häufig nach starkem Lärm entstehen, wirksam verhindern könnte.

Gesundheitkompakt Berlin – Bei einem Tinnitus haben die Betroffenen ständig unangenehme Geräusche wie Klingeln oder Brummen im Ohr, obwohl keine äußere Schallquelle vorliegt. Solche Phantomgeräusche treten bei etwa fünf bis fünfzehn Prozent der Erwachsenen auf. Sie können nur kurze Zeit oder auch jahrelang bestehen und werden oft durch starken Lärm, Stress oder Ohr-Erkrankungen ausgelöst.

Das Forscherteam um Thanos Tzounopoulos von der Universität Pittsburgh in den USA untersuchte nun Zellen im so genannten hinteren Hörkern (kurz: DCN) von Mäusen – einem wichtigen Hörzentrum des Gehirns. Bereits aus früheren Studien war bekannt, dass die DCN-Zellen bei Tinnitus überaktiv sind – sie senden bei der Hörstörung selbst dann Impulse aus, wenn gerade keine Geräusche vorhanden sind.

Tzounopoulos und seine Kollegen setzen ihre Versuchstiere, die zuvor ein Beruhigungsmittel erhalten hatten, 45 Minuten lang einem 116 Dezibel lauten Ton aus. Dieser löst bei etwa der Hälfte der Mäuse einen Tinnitus aus. Anschließend gaben die Wissenschaftler der Hälfte der Tiere fünf Tage lang das Epilepsie-Medikament Retigabin, das die Funktion von Kalium-Kanälen in den DCN-Zellen beeinflusst.

Eine Woche später ließ sich bei 50 Prozent der Tiere, die kein Medikament erhalten hatten, tatsächlich ein Tinnitus beobachten. Mäuse, die Retigabin bekommen hatten, entwickelten dagegen keine Ohrgeräusche.

„Weiterhin konnten wir beobachten, dass Mäuse mit Tinnitus eine geringere Aktivität in den so genannten KCNQ-Kanälen aufweisen“, berichtet Tzounopoulos. Dies sind winzige Kanäle in den Zellen des hinteren Hörkerns, die Kalium in und aus den Zellen transportieren – und so die Erregbarkeit der Nervenzellen regulieren. Bei Mäusen, die Retigabin erhielten, erhöhte sich jedoch die Aktivität der KCNQ-Kanäle. „Die Substanz kann also offenbar die Übererregbarkeit der Hör-Nervenzellen bremsen und so Ohrgeräusche verhindern“, fasst Tzounopoulos zusammen.

Bisher gibt es keine Medikamente, die Tinnitus heilen könnten – und die vorhandenen Therapiemöglichkeiten bringen manchen Patienten nur wenig Erleichterung. „Wir hoffen nun, durch das genaue Verständnis der Ursachen effektivere Therapiemöglichkeiten entwickeln zu können“, sagt Tzounopoulos. Als nächstes wollen die Forscher nun ein Medikament entwickeln, das nur an bestimmten Untereinheiten der KCNQ-Kanäle wirkt – und so die Nebenwirkungen einer neuen Tinnitus-Therapie möglichst gering halten. gk/ca

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