"Braunes" Fett bremst Übergewicht

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  • Artikel: 22.04.2010

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Neugeborene und Kleinkinder verfügen über zwei verschiedene Arten an Fettgewebe. Sie besitzen nicht nur das auch bei Erwachsenen vorkommende "weiße", sondern auch "braunes" Fettgewebe.

mp Tübingen - Neugeborene und Kleinkinder verfügen über zwei verschiedene Arten an Fettgewebe. Sie besitzen nicht nur das auch bei Erwachsenen vorkommende "weiße", sondern auch "braunes" Fettgewebe. Das braune ist fähig, weißes Fett zu verbrennen und so Energie und Wärme zu produzieren, um die Kleinen gegebenenfalls vor Auskühlung zu schützen.

Erst vor kurzem wurde festgestellt, dass dieses braune Fettgewebe - nicht wie angenommen - mit den Kinderjahren verschwindet, sondern auch noch beim Erwachsenen vorkommt, dem es Energie zur Verbrennung von gespeichertem weißen Fett liefert und so überschüssige Pfunde abbaut. Mit zunehmendem Alter allerdings wird dieses braune Fett immer weniger, was letztlich auch zur Gewichtszunahme beiträgt.

Doch dieser Rückzug des Energielieferanten verläuft nicht bei allen gleich, schon gar nicht bei Männern und Frauen, wie das Ergebnis aktueller Forschung am Tübinger Universitätsklinikum zeigt. "Bei Männern nimmt die braune Fettmasse mit zunehmendem Alter viel schneller ab als bei Frauen", erklärte Norbert Stefan, Privatdozent und Heisenberg-Stipendiat an der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen. Die Tübinger Wissenschaftler fanden außerdem, dass die braune Fettmasse bei Männern mit zunehmendem Alter weniger stark mit dem Body Mass Index (BMI) korreliert als bei Frauen.

Die neuen Erkenntnisse könnten neue Möglichkeiten gegen lästiges Übergewicht eröffnen. Die Tübinger Forschergruppe aus Endokrinologen und Radiologen beschäftigen sich bereits damit. "Ob und wie viel braunes Fett jemand hat, kann man derzeit nur über eine aufwendige Positronenemissionstomografie-Untersuchung feststellen. Wir arbeiten aber schon fieberhaft an einfacheren Nachweismethoden", sagte Stefan. Vor allem aber forschen die Tübinger nach einer Strategie, mit der der Verlust der braunen Fettpolster verhindert oder doch wenigstens hinausgeschoben werden kann. Die neuen Erkenntnisse bedeuten in der Praxis darüber hinaus aber auch, dass Methoden zur Aufrechterhaltung der Masse des braunen Fetts - so man sie gefunden hat - "bei Männern viel früher angewendet werden müssen als bei Frauen, um der Entstehung des Übergewichts entgegenzuwirken". mp/rg

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