Krank durch Kristalle

Mehr zu den Themen Gicht, Arteriosklerose, Kristalle, Gewebeschädigungen, Zelltod
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  • Artikel: 03.02.2016

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Ein deutsches Forscherteam hat einen molekularen Mechanismus entdeckt, der zu Gewebeschädigungen bei Gicht oder Arteriosklerose führt. Die neuen Ergebnisse könnten dazu beitragen, Medikamente zu entwickeln, die die Zellschädigungen aufhalten könnten.

Bei verschiedenen, häufig vorkommenden Krankheiten sind Kristalle die Auslöser. Dies ist zum Beispiel bei Gicht der Fall. Bei dieser Erkrankung führen Harnsäure-Kristalle zu einer Abwehrreaktion des Immunsystems. Dadurch lösen sie Entzündungen aus und verursachen das Absterben von Gewebezellen. Ähnliches ist auch bei Arteriosklerose der Fall – einer Erkrankung, bei der es zur Ablagerung von Blutfetten, Bindegewebe und Kalk an den Innenwänden der Arterien kommt.

Wissenschaftler haben bisher angenommen, dass die unterschiedlichen Erkrankungen, die durch Kristalle ausgelöst werden, einen ähnlichen krankheitsauslösenden Mechanismus haben. Dabei wurde bisher vor allem untersucht, auf welche Art und Weise Kristalle Entzündungen auslösen.

Nun hat ein Forscherteam um Hans-Joachim Anders von der Medizinischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München zum ersten Mal den Mechanismus des Zelltods identifiziert, der durch Kristalle ausgelöst wird. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Kristalle in den Gewebszellen eine Form des regulierten Zelltods auslösen. „Das galt bisher eher als passive Zellzerstörung. Es ist aber ein aktiv regulierter Mechanismus, der zum direkten Zelltod führt“, erläutert Hans-Joachim Anders. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ (Ausgabe 28. Januar).

Gleicher Signalweg bei verschiedenen Erkrankungen

Anders und sein Team untersuchten den molekularen Mechanismus unter anderem an Nieren- und Bindegewebszellen. Dabei konnten sie am Beispiel verschiedener Kristalle zeigen, dass die Mikropartikel immer den gleichen Signalweg aktivieren, der zum Zelltod führt. Ihre Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Absterben von Zellen (Nekrose) das Entzündungsgeschehen auslöst.

Die neuen Erkenntnisse sind für viele Erkrankungen von Bedeutung, zum Beispiel für Gicht, Arteriosklerose und für manche Formen des akuten Nierenversagens. Bisher zielt die Behandlung solcher Erkrankungen vor allem darauf ab, die Entzündungsprozesse zu hemmen. Der neu entdeckte Mechanismus bietet nun ein weiteres Ziel für die pharmakologische Forschung. „Der Signalweg könnte ein neuer Ansatzpunkt für Medikamente sein. Wird er unterbunden, würde das den durch Kristalle direkt ausgelösten Zelltod verhindern“, sagt Anders. Dadurch müsste sich – den Studienergebnissen zufolge – auch die Entwicklung einer chronischen Entzündung verhindern lassen.

Ob sich aus den Ergebnissen tatsächlich praktische Verbesserungen bei der Behandlung von Patienten ergeben, müsse die weitere Forschung erst noch zeigen, so die Wissenschaftler.

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Themen Gicht, Arteriosklerose, Kristalle, Gewebeschädigungen, Zelltod

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