Kontakt mit Pestiziden könnte Risiko für Lungenerkrankungen erhöhen

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  • Artikel: 04.12.2015

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Kinder, in deren Urin mehr Pestizide gefunden werden, haben ein höheres Risiko für eine beeinträchtigte Atmung. So schnitten Kinder mit höherer Pestizid-Konzentration im Urin in einem Lungenfunktionstest schlechter ab. Die Lungenfunktion war dabei ähnlich stark eingeschränkt wie bei Kindern, deren Mütter rauchen.

„Bisherige Studien haben bereits Atemprobleme bei Arbeitern in der Landwirtschaft beschrieben, die Kontakt mit Pestiziden hatten“, sagt Brenda Eskenazi von der Universität Kalifornien in Berkeley (USA), einer der Autorinnen der Studie. „Aber die neuen Ergebnisse betreffen Kinder in ländlichen Gegenden, in denen Pestizide eingesetzt werden. Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass diese Kinder eine geringere Lungenfunktion haben.“

An der Untersuchung nahmen 279 Kinder aus dem Salinas-Tal in Kalifornien teil. Die Auswertung war Teil einer größeren, längsschnittlichen Studie, die im Jahr 2000 gestartet wurde. Darin wurde die Gesundheit der Kinder von der Zeit im Mutterleib bis zum Jugendalter untersucht. Die neuen Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „Thorax“ (Online-Ausgabe vom 3. Dezember) erschienen.

Die Forscher um Eskenazi nahmen von den Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren fünf Mal eine Urinprobe und untersuchten die darin enthaltene Menge organischer Phosphate. Dies sind Pestizide, die oft in der Landwirtschaft eingesetzt werden und Auswirkungen auf das Nervensystem haben können. Im Alter von sieben Jahren führte das Forscherteam mit den Kindern einen Lungenfunktionstest durch, der die ausgeatmete Luftmenge misst.

Höhere Konzentration an Pestiziden führt zu geringerer Lungenfunktion

Jede Verzehnfachung der Pestizid-Konzentration im Urin war mit einer um 159 Milliliter geringeren Lungenfunktion verbunden. Das entspricht etwa acht Prozent weniger Luft, die zum Beispiel beim Ausblasen einer Kerze ausgeatmet wird.

Bei der Auswertung rechneten die Forscher den Einfluss anderer Faktoren auf die Lungenfunktion heraus, wie etwa Luftverschmutzung, die Nähe zu Autobahnen, ob die Mutter Raucherin war und ob es in der Wohnung Haustiere oder Schimmel gab.

Die Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass ein Zusammenhang zwischen einem geringen, aber lang anhaltenden Kontakt mit organischen Phosphaten und der Lungengesundheit bei Kindern besteht. „Wenn die reduzierte Lungenfunktion bis ins Erwachsenenalter anhält, könnte das Risiko ansteigen, an Atemwegserkrankungen wie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zu leiden“, sagt Rachel Raanan, Erstautorin der Studie.

Die Ergebnisse zeigen, dass organische Phospate zu den Umweltfaktoren gehören, die sich schädlich auf die Lungen von Kindern auswirken können – ähnlich wie Luftverschmutzung, Zigarettenrauch und Rauch, der beim Braten oder Kochen entsteht.

Obwohl der häusliche Gebrauch von Pestiziden in den USA seit 2005 schrittweise beendet wurde und ihr Einsatz in der Landwirtschaft von 2000 bis 2013 deutlich zurückgegangen ist, sind organische Phosphate immer noch weit verbreitet. „Wir wissen, dass eine reduzierte Lungenfunktion das Risiko für COPD erhöht“, sagt John Balmes, einer der Autoren der Studie. „Deshalb ist es wichtig, Risikofaktoren aus der Umwelt zu erkennen, die die Atemfunktion in der Kindheit beeinträchtigen – und diese zu reduzieren.“

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