Angeborene Herzfehler optimal behandeln

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  • Artikel: 04.03.2016

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Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 7.000 Kinder mit einem Herzfehler geboren. Durch medizinische Fortschritte ist die Sterblichkeitsrate in den letzten Jahren deutlich gesunken: 90 Prozent der Kinder erreichen inzwischen das Erwachsenenalter. Die Vorstände zweier wichtiger medizinischer Fachgesellschaften haben nun Voraussetzungen definiert, die für eine optimale Versorgung von Patienten mit angeborenem Herzfehler notwendig sind.

Statistisch gesehen sind Herzfehler die häufigste Erkrankung, mit der Säuglinge auf die Welt kommen. Manche Herzdefekte können zwar mit einer einmaligen Operation korrigiert werden. In 39 Prozent der Fälle sind jedoch mehrfache Herzoperationen und eine lebenslange fachärztliche Betreuung notwendig. Aktuell wird von 200.000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler in Deutschland ausgegangen.

Nun haben die Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) Grundvoraussetzungen für die Behandlung von Patienten mit angeborenem Herzfehler formuliert, die eine optimale Versorgung der Patienten sicherstellen sollen.

Als wichtigste Aspekte sehen die Fachgesellschaften gut ausgebildete Fachärzte, multiprofessionelle Teams, strukturierte Abläufe und eine gute Infrastruktur in der jeweiligen Fachabteilung an. Dabei sollte immer das Wohl der Patienten im Mittelpunkt stehen, betonen die Fachärzte.

Insbesondere sehen die beiden Fachgesellschaften spezialisierte Einheiten in Kliniken als wichtig an, die das gesamte chirurgische Spektrum abdecken – neben der Operation von Herzfehlern zum Beispiel auch Organtransplantationen. Entscheidend für eine angemessene Behandlung ist nach dem Konsensuspapier außerdem die Qualifikationen der beteiligten Fachärzte. Dabei sei die Chirurgie angeborener Herzfehler als spezielle Qualifikation eines Facharztes für Herzchirurgie anzusehen. Die Fachgesellschaften haben in diesem Zusammenhang einen Katalog an Zusatzqualifikationen entwickelt, mit denen das Zertifikat „Chirurgie angeborener Herzfehler“ erworben werden kann.

Wichtig: Spezialisierte Ärzte, ein erfahrenes Team und gute technische Ausstattung

Weiterhin sollte zur bestmöglichen Versorgung sowohl junger als auch erwachsener Patienten ein erfahrenes, interdisziplinäres Team zur Verfügung stehen. Dazu gehören laut DGTHG und DGPK neben Herzchirurgen und Kinder-Kardiologen auch Anästhesisten, Intensivmediziner und speziell geschultes Krankenpflegepersonal.

Schließlich sind nach Aussage der beiden Fachgesellschaften eine geeignete Infrastruktur sowie kontinuierliche wissenschaftliche Forschung und Weiterbildung wichtig, um das gesamte Behandlungsspektrum angeborener Herzfehler vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen angemessen behandeln zu können. Dazu sollte pro Behandlungseinheit mindestens ein modern ausgestatteter Operationssaal zur Verfügung stehen, der über eine für Kinder und Jugendliche geeignete Herz-Lungen-Maschine und weitere notwendige technische Geräte verfügt. Gleichzeitig müssen eine Intensivstation und eine Pflegestation vorhanden sein, die auf die Patienten mit Herzfehlern ausgerichtet sind.

Ergänzt werden sollten diese Aspekte nach Aussagen der DGTHG und der DGPK durch abteilungsübergreifende Qualitätszirkel, regelmäßige Qualitätssicherungsmaßnahmen, fachübergreifende Weiterbildungsmaßnahmen und Kooperationen bei der klinischen Forschung.

Quelle:

Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) (2016). Grundvoraussetzungen herzchirurgischer Einheiten zur Behandlung von Patienten mit angeborenen Herzfehlern.

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