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In Deutschland leiden mehr als 120.000 Menschen an der unheilbaren Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose (MS). Aus bisher unbekannten Gründen greift das eigene Immunsystem bei den Betroffenen verschiedene Stellen des zentralen Nervensystems an - unter anderem die Isolierschichten der Nervenzellen (Myelinscheiden). Dort entzündet sich eine Art "Kabelbrand", Mediziner nennen diese Läsion oder Entmarkungsherd.
Die Folge: Nervenimpulse können nur noch eingeschränkt oder nicht mehr weitergeleitet werden. Im weiteren Verlauf der Krankheit werden die Nervenzellen geschädigt und gehen zugrunde.
MS-Läsionen in der weißen Hirnsubstanz lassen sich durch die herkömmliche Magnetresonanztomographie (MRT) recht gut erkennen. Obwohl MS als eine Erkrankung der weißen Substanz interpretiert wird, gilt es mittlerweile als gesichert, dass dabei vor allem auch die graue Substanz des zentralen Nervensystems in Mitleidenschaft gezogen wird. Mit der herkömmlichen Magnetresonanztomographie (MRT) bleiben die Entzündungsherde in der grauen Substanz - auch kortikale Läsionen genannt - jedoch vielfach unentdeckt.
Privatdozent Dr. Mike Wattjes vom MS & Alzheimer Center Amsterdam und sein Team wollten prüfen, ob sich die Erkennungsrate der kortikalen Läsionen optimieren lässt. Der deutsche Radiologe hat die aktuelle Studie[1] an seiner früheren Wirkungsstätte - der Radiologischen Klinik der Universität Bonn - begonnen. In der Bonner Universitätsradiologie untersuchten er und seine Kollegin Dr. Birgit Simon 34 MS-Patienten und neun Kontrollpersonen in zwei Magnetresonanztomographen unterschiedlicher Magnetfeldstärke.
Das Ergebnis zeigte, dass bei einem Hochfeld-MRT mit 3 Tesla Feldstärke deutlich mehr Läsionen zu erkennen waren als bei einem MRT mit der herkömmlichen Feldstärke von 1,5 Tesla. Bei Untersuchungen mit Hochfeld MRT plus, einer so genannten Double Inversion Recovery (DIR)-Pulssequenz, stachen die kortikalen Läsionen im Bild am deutlichsten hervor. Die Erkennungsrate lag dabei fast drei Mal so hoch wie bei einer herkömmlichen MRT-Untersuchung bei 1,5 Tesla.
"Die kortikalen Veränderungen sind von entscheidender klinischer Relevanz, da sie vor allem mit dem Grad der körperlichen Behinderung und der kognitiven Beschwerden in Verbindung stehen", sagt Dr. Wattjes. "Durch den Einsatz der Hochfeld MRT in Kombination mit speziellen Pulssequenzen können wir diese Läsionen besser sichtbar machen. Damit können wir auch schon zu einem recht frühen Erkrankungszeitpunkt mit größerer Sicherheit sagen, ob MS vorliegt oder nicht."
In der Vergangenheit hat man oft auf Basis von neurologischen Befunden und damit recht spät (z.T. erst nach dem zweiten Krankheitsschub) die Diagnose sicher stellen und adäquat behandeln können. "Die MRT-Diagnostik hat die Diagnostik der MS revolutioniert. Mit ihr haben wir nunmehr die Möglichkeit, eine Krankheitsaktivität zu erkennen, bevor sie sich beim Patienten in Form eines zweiten Krankheitsschubes klinisch neurologisch eindeutig manifestiert", so Wattjes. Mit Hilfe der Hochfeld-MRT und neuer Bildgebungstechniken hoffen die Mediziner, in Zukunft nun auch den Ursachen der Krankheit auf die Spur zu kommen. (Sarmina Hoffmann/gk)






